Riester richtig auswählen
Unter der Bezeichnung „Riester-Rente“ werden ganz verschiedene Anlageformen offeriert, zwischen denen Sie je nach Risikoneigung und Vorsorgeziel wählen können. Jede Produktlinie hat spezifische Vor- und Nachteile. Deren Gegenüberstellung mit Ihrem persönlichen Bedarf führt zum passenden Vertrag.
Bei der Suche nach dem passenden Riester-Vertrag haben Sie die Qual der Wahl. Zunächst zwischen verschiedenen Riester-Förderkonzepten, nämlich der Riester-Geldrente und dem sogenannten Wohn-Riester. Während es bei der Geldrente um die Kapitalansparung für eine spätere Zusatzrente geht, liegt das Ziel der Wohn-Riester-Verträge in der Finanzierung von selbst genutztem Wohneigentum. Und dann können Sie innerhalb der beiden Alternativwege auch noch zwischen verschiedenen Vertragsformen wählen.
Wie finden Sie den richtigen Riester-Vertrag?
Den für Sie persönlich passenden Vertrag finden Sie, in dem Sie in mehreren Schritten systematisch klären, welchem Zweck die Ansparung dienen soll und welche speziellen Produkteigenschaften Ihnen besonders wichtig sind. Beantworten Sie sich dafür die folgenden Fragen:
1. Frage: Möchten Sie sparen oder finanzieren?
Als Voraussetzung für die Wahl des passenden Vertrages sollten Sie erst einmal Ihre grundlegende persönliche Bedarfslage klären. Benötigen Sie im Alter unbedingt ein regelmäßiges monatliches Zusatzeinkommen, um die gesetzliche Rente aufzubessern? Dann sind Produkte zum Aufbau einer Riester-Geldrente für Sie die erste Wahl. Dabei können Sie sich entscheiden zwischen vier Produktlinien mit unterschiedlichen Ertragschancen und Anlagerisiken: Banksparplänen oder Fondssparplänen, klassischen Rentenversicherungen oder fondsgebundenen Rentenversicherungen.
Setzen Sie als Altersvorsorge dagegen mehr auf das mietfreie Wohnen in den eigenen vier Wänden, dann kommen auch Wohn-Riester-Produkte in Frage. Sie können Ihr eigenes Heim mit staatlicher Förderung wahlweise über spezielle Riester-Bausparverträge oder mit Riester-Darlehen finanzieren.
2. Frage: Wünschen Sie absolute Sicherheit oder eingeschränkte Anlagerisiken?
So unterschiedlich die Angebote im Detail auch sein können: Sie unterliegen alle den gleichen gesetzlichen Auflagen. Bei Riester-Geldrenten insbesondere bezüglich der Sicherheit des Sparkapitals und dessen Verwendung. So sind die Anbieter verpflichtet, den Erhalt aller Einzahlungen und Zulagen zum Rentenbeginn zu garantieren und eine lebenslange Rente zu zahlen. Bis zum Rentenbeginn kann das Anlagerisiko aber recht unterschiedlich ausfallen. Während etwa bei Banksparplänen das Kapital jederzeit gesichert ist und auch eine Verzinsung gezahlt wird, kann bei einem Riester-Fondssparplan das Vermögen in der Ansparphase in schlechten Börsenzeiten durchaus auch einmal unter den Einzahlungen liegen. Was zum Beispiel bei einem Vertragswechsel zu echten Verlusten führen kann. Ähnliche Probleme können bei fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen auftreten. Klassischen Riester-Rentenversicherungen gehören dagegen wiederum zu den Sicherheitsprodukten, da hier konservativ angelegt und sogar eine Mindestverzinsung auf den Sparanteil der Beiträge gezahlt wird.
Den Risiken der Fondsprodukte stehen allerdings auch höhere Ertragschancen gegenüber. Entwickelt sich ein Riester-Fondssparplan gut, können deutlich höhere Erträge und damit später auch eine höhere Rente als bei den Sicherheitsprodukten drin sein. Vor allem jüngere Sparer sollten deshalb über Produkte nachdenken, die die höheren Ertragschancen der Kapitalmärkte nutzen. Denn bei langer Spardauer sinkt das Anlagerisiko erfahrungsgemäß. Allerdings sollte dann klar sein, dass die Ansparstrategie auch sehr langfristig angelegt ist und nicht zum Beispiel schon nach wenigen Jahren das Kapital im Rahmen von Wohn-Riester für eine Immobilienfinanzierung benötigt wird.
Bei Wohn-Riester-Verträgen selbst ist das Anlagerisiko dagegen kein Thema. Geht es hier doch entweder um eine sichere Ansparung im Rahmen eines Bausparvertrages oder um die direkte Tilgung von Schulden.
3. Frage: Welche Vertragskosten und Renditen haben die Angebote?
Steht fest, in welche Produktform Beiträge und Zulagen fließen sollen, müssen Sie sich darüber informieren, welches Vertragsangebot die besten Renditeaussichten bietet. Und diese hängen oftmals weniger vom Anlageerfolg der Anbieter ab als davon, welche Kosten sie den Verträgen belasten. Und dabei gibt es im Markt sehr große Unterschiede. Bei klassischen Riester-Rentenversicherungen reicht die Kostenquote in der Ansparphase etwa von rund sieben bis zu fast 20 Prozent der Beiträge. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die spätere Rentenleistung.
Banksparpläne unterscheiden sich dagegen vor allem durch die gewährten Anlagezinsen und Zusatzbonifikationen für langjähriges Ansparen. Für die Rendite ist nicht zuletzt entscheidend, wie lange der Vertrag bis zur Rente noch läuft. Bei kürzeren Laufzeiten lohnt sich oft ein Vertrag mit direkt an der Umlaufrendite orientierter Verzinsung und geringem Zinsabschlag auf den Marktzins. Bei langen Laufzeiten bieten Bonusverträge mit steigenden Zinsaufschlägen meist bessere Ertragschancen.
Noch komplizierter ist die Wahl des passenden Riester-Fondssparvertrages. Denn über dessen Anlageerfolg entscheidet vor allem die Qualität der zur Auswahl stehenden Fonds sowie das jeweilige Anlagekonzept und die Vertragskosten. Im Voraus sind daher verlässliche Ertragsprognosen kaum möglich. Bei fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen kommen als Auswahlkriterium außerdem noch die Kosten des Versicherungsteils des Vertrages dazu.
Letztlich hilft bei der Produktauswahl wohl nur die richtige Kombination aus einer Auswertung der einschlägigen Produkttests und dem intensiven Studium des Kleingedruckten der Verträge.
Bei Wohn-Riester-Verträgen geht es dagegen vor allem darum, die Finanzierung der Immobilie so günstig wie möglich zu gestalten. Statt hoher sind hier niedrige Zinssätze gefragt. Im Zweifel sollte bei der Produktwahl ein unabhängiger Finanzierungsexperte eingeschaltet werden. Denn der Wohn-Riester-Vertrag muss auch optimal in die Gesamtfinanzierung eingebaut werden.
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