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Serpico – im Auftrag der Guardia di Finanza

Andre Kauselmann
von Andre Kauselmann
am 17. Juli 2012
Finanzgeschäfte, Finanzkrise, Gesetze, International, Steuern

Er sitzt im klimatisierten Keller eines Bürohauses in Rom. Sein Job? Daten sammeln. Und das rund um die Uhr. Sein Ziel? Steuerhinterzieher zu fassen. Sein Name? Serpico. Nein, nicht der unbestechliche New Yorker Polizist, den Al Pacino in den 70er Jahren im gleichnamigen Kinofilm verkörperte. Serpico steht für Servizi per i contribuenti. Und er ist kein Cop aus Fleisch und Blut, sondern der ein Superrechner, der im Auftrag des italienischen Finanzministeriums auf Steuersünderjagd geht.

Ganz still und heimlich, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, nahm der elektronische Schnüffler vor 5 Jahren seine Arbeit auf. Mit seinen 2.000 Server hat er den Auftrag, Daten von Steuerpflichtigen zu sammeln und zu analysieren. Ist etwas auffällig, passen die Steuerzahlungen nicht zu Eintragungen bspw. im Katasteramt, schlägt er Alarm und die Guardia di Finanza rückt aus.

Seit Januar 2012 ist Serpico wirklich gefährlich. Ausgestattet mit Bazooka macht er nun gnadenlos Jagd auf Steuerhinterzieher. Bazooka ist eine Neuerung, die es im ermöglicht, neben den Daten aus Katasteramt, KfZ-Verwaltung, Versicherungen und Sozialkassen auch Bankkonten und deren Bewegungen zu überwachen.

Bisherige gesetzliche Hürden für dieses Ausspähen der Daten wurden von der Regierung Monti beseitigt. Und damit der Rechnernase wirklich nichts entgeht, dürfen Beträge über 1000 € nicht mehr bar bezahlt werden.
Der Erfolg scheint den Maßnahmen recht zu geben. Schon dieses Jahr haben die Behörden wohl 7.500 säumige Steuerzahler mit Serpico erspäht.

Das Echo über den Computer-Super-Cop ist geteilt. Eine Empörung scheint es allerdings nicht zu geben. Zumindest keine laute. Manche beschweren sich zwar über diese staatliche Allmacht, doch zu einem großen Aufschrei kam es nicht. Die meisten Italiener nehmen es offensichtlich gelassen – mit einem Schulterzucken. Für einen Aufschrei hierzulande ist Italien zu weit weg. Hier wird eher positiv gesehen, dass gegen „Kriminelle“ vorgegangen wird.
Aber zu welchem Aufschrei würde es kommen, sollte Serpico einen Kollegen im deutschen Finanzamt bekommen? Vermutlich zu lautstarker Empörung. Datenschutz, Datensicherheit, Bankengeheimnis: Eine ganze Reihe an Gesetzen müssten geändert werden. Das Grundgesetz wäre de facto ausgehebelt.

Trotz aller Erfolge in Italien muss eines klar sein: Gescannt werden alle Bürger. Nicht nur Reiche und vermeintlich Kriminelle. Vor dem Supercomputer sind alle gleich – gleich verdächtig, gleich transparent.

Vielleicht ist es für Italien der einzig gangbare Weg, um den bis zu 150 Milliarden Euro Steuerausfällen Herr zu werden. Jeder fünfte Italiener scheut die Steuerzahlung. Aber wie oft wird heute auch bei uns gefragt: „Rechnung oder lieber ohne und dafür etwas billiger?“ So lange bis ein deutscher Serpico an die Tür klopfen lässt?

Bild: ©Istockphoto.com/abile

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