Der Sommer in Spanien ist heiß. Sehr heiß sogar. 30 bis 35 Grad sind die Regel. Die Luft flirrt vor Hitze, die Straßen sind wie ausgestorben und die Geschäfte geschlossen. Welcher Urlauber kennt sie nicht, diese gespenstische Zeit zwischen 14 und 16 Uhr? Siesta in Spanien! Zeit zum Entspannen und die Füße hoch zu legen – doch das wird schon bald Vergangenheit sein.
Um der Wirtschaftskrise etwas entgegen zu setzen, wird es die zwei Stunden für ein Schläfchen ab September nicht mehr geben. Durch ein neues Gesetz dürfen Geschäfte dann bis zu 90 Stunden pro Woche geöffnet haben. Bisher waren es 72 Stunden – und die Siesta am Mittag für kleine Läden unter 300qm sogar Pflicht. Im spanischen Wirtschaftsministerium hofft man, eine Erhöhung der Umsätze im Einzelhandel herbeiführen zu können und so die Folgen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung von 18 auf 21 Prozent zu entschärfen.
Auch dem heiligen Sonntag geht es an den Kragen. An 16 statt wie bisher an 12 Sonntagen pro Jahr dürfen Geschäfte dann geöffnet haben. In den Ferienregionen, wo kaufstarke Touristen das Geld möglichst täglich ausgeben sollen, dürfen die Geschäfte in Zukunft auch an allen Sonn- oder Feiertage öffnen. Die Rechnung klingt für das krisengeschüttelte Spanien ganz einfach: Längere Öffnungszeiten bedeuten nicht nur mehr Umsatz, sondern auch mehr Personalbedarf. Zuletzt waren 25 Prozent der Bürger ohne Job.
Vor allem die Betreiber kleiner Geschäfte finden die neuen Regelungen jedoch weniger lustig. Ihre Margen seien zu klein, um durch die paar Euro mehr pro Woche den Personaleinsatz hochfahren zu können.
Und wer ist mal wieder an allem schuld? Natürlich die Touristen! Immerhin brachten die ausländischen Gäste 2011 rund 54 Milliarden Euro Umsatz ins Land – allen voran die Engländer und die Deutschen. Und angeblich beschweren sie sich schon lange über die verlängerte Mittagspause der Einheimischen. Die spanische Regierung käme mit den Neuerungen somit auch ihren Wünschen nach. Ob das so stimmt?
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