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Gegen Korruption ist ein Crowd gewachsen?

Andre Kauselmann
von Andre Kauselmann
am 20. Februar 2012
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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und wer kontrolliert besser als die Masse? Und am besten kontrolliere die anonyme Masse der Internetnutzer (engl. Crowd). So sehen es zumindest die Ideengeber des Open Bank Projects . „Ich wollte einen Weg finden, um der Korruption und Verschwendung von Steuergeldern entgegen zu wirken – daraus entstand die Idee, eine Plattform zu entwickeln, auf der Bankkonten öffentlich einsehbar gemacht werden können.“, so beschreibt der Gründer des Open Bank Projects Simon Redfern seine Ambitionen.

Sind Bankkonten und Kontenbewegungen per dato gut gehütete Geheimnisse, die in verschlossenen Schränken aufbewahrt und durch Passwörter und Verschlüsselungsmechanismen vor allzu neugierigen Augen geschützt werden, bedeutet das Open Bank Project eine neue Transparenz. Diese Transparenz soll durch eine aus der Netzgemeinde heraus entwickelte Software geschaffen werden (Open Source). Bisher bestimmen die Banken, welche Software für die Verwaltung ihrer Konten genutzt werden sollen. Und damit automatisch auch die Zugriffsmechanismen. Ein allgemeiner Standard für eine Schnittstelle würde den Zugriff auf die unterschiedlichsten Konten extrem vereinfachen.

So unglaublich dieser Vorstoß erscheint, so einfach ist er in seiner erwarteten Wirkweise: Bankkonten sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einfach, schnell und komfortabel. Eben ganz nach der Philosophie des Web 2.0: Einfaches Teilen und unkompliziertes Informieren.

So findet man für diese Idee durchaus Anwendungsfälle. Sei es eine gemeinnützige Organisation, die so unverfälscht Einblicke in die Verwendung der Spendengelder gewähren könnte. Oder denken wir an den Einsatz von Fördergeldern. Ein Blick in die öffentlichen Konten gäbe Aufschluss über deren Verwendung. Und es scheint logisch, dass ein Missbrauch solcher Gelder unter den Augen tausender Beobachter schnell aufflöge. Auch für einen kleineren Beobachterkreis sind Szenarien vorstellbar. So könnte sich der Vorstand eines Unternehmens immer und überall ein Bild über die jeweiligen Konten seines Unternehmens machen. Unverfälscht und ohne große und langwierige Berichterstellung durch Dritte. Direkt von seinem Smartphone, seinem Tablet-Computer oder Laptop aus.

Anzumerken bleibt, dass es bei dieser Idee nicht darum geht, Gesetze zu erlassen, die zur Veröffentlichung verpflichten, sondern um ein Projekt, dass die technischen Möglichkeiten bietet, selbstbestimmend zu entscheiden, wer Einblick erhalten soll. Auch wenn es durchaus Fälle gäbe, in denen man sich eine zwingende derartige Veröffentlichung vielleicht vorstellen könnte. Gerade wenn es um öffentliche Gelder geht. Das Open Bank Project will sich in seiner Ausrichtung an den Richtlinien der European Transparency Initiative orientieren.

Aber ist die Lösung so einfach? Buchhaltung und Bankgeschäfte sind nicht nur ein Ein- und Auszahlen von Geldbeträgen. Zu viele Faktoren spielen bei Finanzgeschäften eine wichtige Rolle. Und nicht alles, was komplex und auf den ersten Blick intransparent erscheint, ist gleich ein Vertuschungsversuch und Indiz für eine mögliche Korruption. Und ob eine überwachende anonyme Menge diese Unterschiede erkennt, darf gefragt werden. Viele haben ihr Vertrauen in Banken durch die Krise verloren. Mehr Transparenz in den Finanzverkehr zu bringen, ist eine von vielen Möglichkeiten dieses Vertrauen wieder zu erlangen. Doch Transparenz birgt auch die Gefahr von Missgunst, Fehlbewertungen und zu starker sozialer Kontrolle. Transparenz ist immer neutral, die Erkenntnisse daraus müssen aber interpretiert werden. Und in diesen Interpretationen könnte die grundlegende Idee der Massenkontrolle ins Stolpern geraten.

Momentan steht die Idee, ihre Realisierung dagegen steht noch aus. Das Open Source Projekt ist auf der Suche nach Mitgliedern für sein Konsortium. Und hier müssten neben Menschen mit technischer Expertise auch die Banken an einen Tisch kommen.

Bild: ©istockphoto.com/wragg

Ein Kommentar zu “Gegen Korruption ist ein Crowd gewachsen?”
  1. Lothar Lochmaier am 21. Februar 2012, 16:25 Uhr:

    Ein wirklich interessantes Thema, das der finanzversteher da aufgegriffen hat. Eine völlige Deckungsgleichheit zwischen den Interessen der Nutzer/Anleger und jenen der Bank wird sich sicherlich nicht herstellen lassen. Jedoch ist das oben genannte Projekt ein spannender Versuch hier das Konzept der offenen (geistigen) Schnittstelle einzuführen. Und die kann ja dem Mainstream-Banking bekanntlich nicht schaden. Insofern könnte man eine Initiative seitens der Banken in Richtung Open Bank nur begrüßen.

    Wie komplex die Materie tatsächlich ist, habe ich in meinem Roman Schattenbanken eingehend beschrieben. Ein Textauszug, in dem ich den Alltag einer fiktiven Hackergruppe in Berlin-Neukölln beschreibe, wie sie versucht mit mal mehr mal weniger Verstand das Establishment anzugreifen, beschreibt die Chancen und Grenzen von Open Banks, von virtuellen Währungen und von alternativen Anlegermodellen, bei der die Finanzdemokratie herrscht. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

    Wer den mit zahlreichen Fotos eines japanischen Fotographen aus New York aufgemachten längeren Buchauszug lesen möchte, kann dies gerne auf dem Blog Berliner Gazette tun, um sich weiter in dieser Thematik jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei inspirieren zu lassen. Da ist Musike drin, wie der Berliner so sagt:

    http://berlinergazette.de/hacker-vs-banker/

    Aufschlussreich auch ein Artikel in die ZEIT zum Aufbegehren der durchschnittlichen Internetbürger: We are Anonymous. Link:

    http://www.zeit.de/digital/internet/2012-02/we-are-anonymous-rezension

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